Die zweite Geige

music-278795_1920Ich, ich bin ein Mensch voller Ängste, voller Selbstzweifel. Meine Ängste lähmen mich, machen mich oft schwach und hilflos, an vielen Tagen sogar krank. In meiner Vorstellung würde ich so so gerne unbekümmert, wie ein junges Reh durch den Wald, durch die Welt hüpfen. Doch meine Ängste, die mich immer und überall begleiten, sorgen dafür, dass ich klein gehalten werde, dass ich statt zu hüpfen die meiste Zeit gebückt durch die Welt gehe. Sie sorgen dafür, dass ich statt meiner Wünsche & Träume, so gut wie immer die Sicherheit wähle. Aber die Sicherheit macht mich unglücklich, oft sogar so unglücklich, dass an manchen Tagen das Bett mein bester Freund ist.

Ich spiele in meinem Leben oft die zweite Geige. Dabei möchte ich so gerne immer die erste Geige spielen. So wie an Tagen oder Zeiten wo ich der Angst in den Hintern getreten habe: Als ich den Job gewählt habe, den ich mir erträume, statt den der mir Sicherheit gibt, als ich dort gewohnt habe wo ich möchte, anstatt dort wo es praktisch ist, als ich die Zeit mit Dingen verbracht habe, die ich mag, anstatt mit Verpflichtungen oder den Erwartungen anderer. An Tagen wie diesen geht es mir gut.

Doch die Angst ist oft stark, meist stärker als ich. Sie will auch die erste Geige spielen. Und das tut sie oft. Dann spiele ich wie gewohnt die zweite Geige. Sie in Dur und ich in Moll.